Miami Beach

Als Europäer ist man ja davon überzeugt, das Leben in den USA sei irgendwie unbeschwerter, das Essen schneller und besser verdaulich, die Baumaterialien leichter, die Stimmung ausgelassener. Wir glauben, die Abwesenheit antiker Geschichte habe eine befreiende Wirkung auf das dekadente Art-Déco-Stadtleben. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, dachte ich bei meinem ersten Besuch der Vereinigten Staaten. weiterlesen →

Warum das Kino?

Gedanken zum Kino, die ich im Rahmen eines Aufsatzes für einen medienwissenschaftlichen Kurs verfasst habe, könnt Ihr entweder im
Audio-Essay „Warum das Kino?“ von und mit Luca Schepers hören

oder hier nachlesen:

Meine persönliche Filmgeschichte

Wenn ich versuche die Anfänge meiner persönliche Filmgeschichte zu rekonstruieren, stellt sich diese als eine Aneinanderreihung von Verstörungen und Angstzuständen dar. Oft verließ ich den Kinosaal unglücklicher als ich ihn betreten hatte und wurde das Gefühl nicht los, Zeuge von etwas gewesen zu sein, für das ich noch nicht bereit war oder zu keinem Zeitpunkt bereit sein würde. Ich war der festen Überzeugung, das Kino sei, ähnlich einem Flipperautomaten oder Spielzeuggewehr, für jemand Anderen gemacht, der mehr wusste und vertragen konnte; möglicherweise entsprach dies zu dem damaligen Zeitpunkt auch der Wahrheit. Und nichtsdestotrotz konnte ich mich einer unbestimmten Anziehungskraft nicht erwehren und kehrte immer wieder zum Kino zurück. weiterlesen →

Der Zeuge Jehovas

Ein Zeuge Jehovas klingelt an meiner Tür. Ich habe diese Hausbesuche immer für ein Schreckgespenst der Erwachsenenwelt gehalten, kann mich daran erinnern, einmal meinen Schulfreunden von einer solchen nervenaufreibenden Begegnung erzählt zu haben, obwohl sie nie stattgefunden hat.
Es handelt sich bei meinem Besuch um einen gepflegten Mann höheren Alters, einen Lederrücksack fest um den Torso gezurrt, ein parfümierter Geruch von ihm ausströmend. Er möchte mich einladen, sagt er, in seiner Hand hält er einen Flyer mit der Überschrift „EINLADUNG“ in schwarzen Druckbuchstaben, darüber die obligatorischen Malereien lachender Anzug- und Blusenträger in einem Zimmer aus Glas. weiterlesen →

Die Seite

Vor einiger Zeit ist mir eine Asymmetrie in meinem Erscheinungsbild aufgefallen. Meine Nase krümmt sich leicht nach links und auch die Haare scheinen auf dieser Seite weniger vorteilhaft zu fallen. Meine linke Augenbraue ist etwas kürzer als die andere; nicht auffällig kurz, aber wenn man davon weiß, kann man es kaum mehr übersehen. weiterlesen →

Knochen

Zuerst war mir Felix‘ Anwesenheit im Zimmer gar nicht aufgefallen. Ich hatte die annähernd menschlichen Konturen für leere Kleidungsstücke gehalten, die jemand geordnet über die Lehne des Ohrensessels gelegt hatte. Nach längerer Betrachtung jedoch bemerkte ich die flachen Hände, die – wie nach einem langen Bad verschrumpelt – aus den Ärmeln des Kapuzenpullovers hervorragten. Ich konnte mein Erschrecken nicht verbergen und wich instinktiv einen Schritt zurück. weiterlesen →